≡ Menu

Zum Wohl?

Grafik eines Verbotsschildes "Schwangere mit Weinglas am Mund" - Die Devise ist hier ganz klar: Schwanger? Dann kein Alkohol Gar keiner.

Wird Ihr Baby gleich nach der Geburt Alkoholprobleme haben? Jedes Jahr kommen zigtausend Babys mit Alkoholproblemen zur Welt. Das betrifft mehr Eltern, als man glaubt.

Nicht illegale Drogen wie Cannabis, LSD und Ecstasy, sondern Alkohol und Tabak sind die wirklichen Gefahren für Mensch und Gesellschaft […] Alkohol ist sogar weitaus gefährlicher als Heroin oder Crack.

Schütteln Sie jetzt mit dem Kopf und denken an Säuferinnen?

Das ist zu einfach!

Lassen Sie uns als erstes einen Blick auf die Fakten werfen. Und danach, ob Sie davon betroffen sind.

Fakten

  • 58 % der Schwangeren trinken Alkohol bis nach der 26. Woche
  • 8,4 % der Schwangeren haben dabei einen starken bis riskanten Alkoholkonsum
  • 15 Gramm Alkohol führen bei Erwachsenen zu messbaren Zellschäden.
  • ca. 10.000 bis 15.000 Kinder kommen pro Jahr mit Alkoholschäden zur Welt (die Dunkelziffer ist sehr viel höher)
  • 4.000 bis 6.000 Babys werden pro Jahr mit FAS geboren.

15 Gramm?

15 Gramm Alkohol – ist das viel? Das hängt vom Körpergewicht ab! Für einen ausgewachsenen Mann mit 100 kg Gewicht ist das etwas anderes, als für eine Frau mit 60 kg Körpergewicht.

Unterstellen wir 70 kg als durchschnittliches Gewicht einer Frau, dann entsprechen 15 Gramm Alkohol 0,02 % ihres Gesamtgewichtes – und diese Menge Alkohol richtet bei Ihnen Zellschäden an.

Bei einem Baby sind aber 15 Gramm fünfzig mal so viel!

Der aufgenommene Alkohol kommt ins Blut der werdenden Mutter und gelangt über die Plazenta in den Kreislauf des ungeborenen Babys – nur eben mit der fünfzigfachen Wirkung. Was die Mama vielleicht anheitern mag, wirkt z.B. auf das Baby im zweiten Trimenon oft tödlich …

Und das ist noch nicht alles.

Während die Leber der werdenden Mutter den Alkohol im Laufe eines Tages abbaut, ist er im Blutkreislauf des ungeborenen Babys viel länger unterwegs, weil es noch keine funktionierende Leber hat!

Rechnen Sie das Ganze jetzt rückwärts. Ein ungeborenes Kind wiegt in den ersten 26 Schwangerschaftswochen noch nicht einmal ein Kilogramm. Das bedeutet, dass bereits 0,2 Gramm Alkohol mehr oder weniger verheerende Zellschäden verursachen können.

Da kann selbst ein kleines Gläschen Wein der Mutter gar nichts ausmachen, beim Baby aber eine Katastrophe auslösen!

Mir ist überhaupt nicht klar, wie die Autoren der verschiedenen Bücher auf die Idee kommen, dass nach den ersten drei Schwangerschaftsmonaten ein kleines Gläschen kein Problem darstellt. Das ist ganz einfach nicht wahr!

Folgen fürs Baby

Die Folgen für die Babys sind erst einmal ein Alkoholentzug als „Willkommensgruß” in dieser Welt.

Danach sind sie nur sehr eingegrenzt in der Lage, Verhaltensmuster zu entwickeln, die allgemein in unserer Gesellschaft akzeptiert sind. Man muss sich dabei aber immer im Klaren darüber sein, dass die Kinder selbst nichts dafür können. Es fehlen ganz einfach die dazu notwendigen neuronalen Verbindungen!

Bei FAS kommen unheilbare körperliche und geistige Schäden dazu, die oft mit gesellschaftliche Ausgrenzung schon ab ihrer Jungendzeit verbunden sind. Nicht selten geraten sie später auf die schiefe Bahn.

Folgen für die Eltern

Für die Eltern bedeutet das enormen Stress, Frustration und ein wachsendes Gefühl der Hilflosigkeit. Dazu kommt eine gestörte Eltern-Kind-Bindung.

Und alles das müsste gar nicht sein!

Das eigentliche Problem

… ist aber gar nicht der Alkohol selbst. Man könnte ihn ja einfach weglassen. Nur leider sagt sich das oft leichter, als das man es macht.

Kann es nicht sein, dass man gelegentlich gar nicht merkt, was man gerade tut? Liest man nicht immer wieder, das ein kleines Gläschen nach dem 3. Monat nicht schade? Es schadet und, nein, man ist sich keineswegs immer bewusst, was man gerade macht.

Urs Camenzind, einer der erfahrensten Geburtsvorbereiter Europas, sagt dazu:

Ich kann mir als Schwangere hundert mal vornehmen, keinen Alkohol zu trinken. Wenn im Gehirn aber keine Mechanismen angelegt sind, die mich entweder wachrütteln, wenn ich gerade zum Glas greife, oder die meine Aufmerksamkeit im entscheidenden Augenblick auf etwas Besseres richten, nutzt das nicht viel: Es geschieht einfach.

Schlechtes Gewissen

Und es gibt ein weiteres Problem, das man leicht übersehen kann: Ein schlechtes Gewissen oder schlicht und ergreifend Angst.

Alkohol versperrt definitv die Kommunikation mit der inneren Stimme. Während viele Frauen oft instinktiv oder intuitiv sehr früh wissen, dass sie schwanger geworden sind, erfahren es andere manchmal erst im dritten Monat. Oder noch später.

Da sitzt so manche Frau plötzlich vor Schreck da und rechnet nach, wann sie auf der letzten Party so richtig Spaß gehabt und dabei zu viel getrunken hatte. Aber sie weiß nicht mehr so recht, wieviel „zu viel” war.

Dieses schlechte Gewissen wiederum verursacht die Ausschüttung von Stress-Hormonen, die ihrerseits wieder Wirkung auf die Entwicklung des Babys im Bauch haben.

Viele sehnen dann das Ende des dritten Monats herbei. Sie haben gehört oder gelesen, die alles-oder-nichts-Regel würde dafür sorgen, dass geschädigte Embryos abgestoßen werden. Das werden sie auch – aber die Betonung liegt auf schwer geschädigt. Während dieser ganzen Zeit schweben dann viele Schwangere zwischen Hoffen und Bangen.

Der kürzlich verstorbene Dr. Arthur Janov verwies darauf, dass während dieser Zeit des Hoffens und Bangens im Gehirn des Ungeborenen neuronale Muster angelegt werden, die ihm später das Gefühl geben werden, nicht willkommen zu sein. Das ist nicht die beste Grundlage für eine gute Mutter-Kind-Bindung.

Sie sehen, man muss keine Säuferin sein, um dem Baby mit Alkohol ein Problem zu verschaffen. Meiner Meinung nach hat der eingangs erwähnte David Nutt recht, wenn er sagt, dass Alkohol und Tabak das größte Problem in der Gesellschaft darstellen.

Sobald Sie zum ersten Mal darüber nachdenken, ob Sie (noch) ein Kind wollen, sollten Sie sofort die Finger vom Alkohol lassen. Diese Gedanken könnten durchaus Intuition sein …

Wie auch immer: Sie sollten so gut drauf sein, wie irgend möglich, denn beschwingte, schöne und glückliche Schwangerschaftszeit schafft die besten Voraussetzungen für eine leichtere Geburt – aber ohne Alkohl.

Genießen Sie die Zeit … 🙂

{ 0 comments… add one }

Leave a Comment