Geburten – vor allem die ersten – dauern ziemlich lange und können sehr unangenehm sein. Folgegeburten können auch unangenehm sein, dafür aber dauern sie nicht so lange.

Glauben Sie das jetzt? Zumindest scheint es naheliegend, oder?

Die meisten Geburtsgeschichten, die im Web oder in Zeitschrften auftauchen, folgen jedenfalls in etwa dieser Storyline. Aber sind Geburten tatsächlich so?

Wenn sie so sind, dann weil Sie das glauben.

Ich weiß, das klingt esoterisch – ist es aber nicht. Es ist Wissenschaft.

Tatsächlich konstruiert sich unser Gehirn die Wirklichkeit selbst, fortlaufend neu und auf der Grundlage dessen, was wir glauben – bevor es diese Konstruktion mit dem vergleicht, was um uns herum oder in uns an die Sinnesorgane gemeldet wird. 1 1. Lisa Feldman Barrett - "How Emotions Are Made ×

Das bedeutet, dass Sie die Geburt so erleben werden, wie Ihr Gehirn es vorher konstruiert hat: Die Geburt ist in einem sehr konkreten Sinne ein Traum.

Wieso ein Traum?

Wissenschaftler nennen den Normalzustand des Gehirns „Tagträumen.“

Das ist ein Automatismus der im unterbewussten Bereich abläuft und alles zusammenpackt, was das Gehirn zum Beispiel für die Konstruktion der Geburt braucht. Und erst wenn alles fertig ist, taucht diese Konstruktion in Ihrem Bewusstsein auf.

Klingt irgendwie gruselig, oder?

Aber andererseits: Das gibt Ihnen die Möglichkeit, selbst zu bestimmen, wie die Geburt abläuft – und damit auch, wie Sie diese erleben, denn es ist „nur ein Traum.“

Tatsächlich zeigt die Forschung, dass sich der Automatismus des Tagträumens unterbrechen und in eine andere Richtung führen lässt, wenn Sie sich dazu entscheiden!

Super! Dann kann man sich doch für ein schöneres Geburtserlebnis entscheiden – oder nicht?

Theoretisch ja.

In der Praxis eher nicht.

Wunschgeburt?

Heutzutage hört man zum Beispiel immer mal wieder von Systemen der Geburtsvorbereitung mit dem Ziel einer „Wunschgeburt,“ die auf diesen Erkenntnissen aufbauen. Bedauerlicherweise steckt allerdings oft eher „Wunschdenken dahinter.

Wunschgeburten können natürlich durchaus zustande kommen – und kamen auch schon zustande. Aber nicht oft.

Warum ist das so?

Weil sich die Traum-Maschine im unterbewussten Bereich nur sehr langsam und eher schrittweise auf eine andere Richtung einlässt.

Das, was wir glauben, beruht auf einem ziemlich gut eingespielten Mechanismus, der unsere Vorstellungen auf eine ganz bestimmte Weise miteinander verknüpft. Deshalb können wir uns zwar alles mögliche vorstellen – selbst etwas, was unmöglich oder vollkommen widersprüchlich ist – nur glauben können wir es deshalb noch lange nicht. Und um es glauben zu können, braucht es Zeit. Mehr, als einem die Schwangerschaft gibt.

Das ist zwar ein bisschen schade, aber tragisch ist es nicht.

Sehr wahrscheinlich können wir also keine Wunschgeburt erreichen, dafür aber etwas, das sehr viel wichtiger ist: Eine gute Geburt!

Die Kraft des Träumens entfesseln

Wie geht das?

Mit ein paar Blättern Papier, einem Messer und etwas zu schreiben. Und dann noch mit ein bissen Geduld.

Was Sie jetzt wissen ist, dass das Tagträumen ein alles bestimmender Automatismus des Gehirns ist, der sich durch Ihre Entscheidung unterbrechen und in eine andere Richtung lenken lässt. So weit so gut.

Aber das hält nicht lange, denn sobald Ihr Gehirn verstanden hat, worauf Sie hinauswollen, strickt es daraus einen neuen Automatismus und lässt den ablaufen – bis Sie eingelullt sind … und schneller als Sie „papp“ sagen können, wechselt es wieder auf die Schienen des alten Automatismus.

Deshalb ist es wichtig, das, was Sie glauben, aus dem Kopf (sprich: Gehirn) heraus aufs Papier zu holen. Erst dann können Sie sehen woraus das Gehirn Ihre Wirklichkeit strickt, bevor es in der Wirklichkeit auftaucht. Wie sollte man sonst verändern können, was man wahrscheinlich fälschlicherweise in Bezug auf die Geburt glaubt?

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In diesem Buch „Selbstbestimmt gebären“ geht es darum, eine aktiv-konstruktive Einstellung zu gewinnen, um optimal in das Gebären zu starten.